SO GELINGT DIE ARBEIT IM HOMEOFFICE – Ein Interview mit Frederik Bellermann von Wilkhahn

Die Wilkhahn Wilkening + Hahne GmbH & Co. KG ist ein deutscher Möbelhersteller mit Sitz in Bad Münder am Deister und spezialisiert auf ergonomische Drehstühle, dynamische Tische und Konferenztische. Bei Wilkhahn beschäftigt sich Frederik Bellermann mit den Perspektiven zukunftssicherer Arbeitswelten und hat an der Entwicklung des Human Centered Workplace mitgearbeitet. Dieser fasst die wichtigsten Fragen in der Büroraumplanung zusammen und zeigt Lösungsansätze für Planer und Endkunden auf.

 

 

Höll: Was ist die Rolle des Homeoffice in Zukunft?

Bellermann: Das Homeoffice bzw. Remote Work wird sich als selbstverständliche Alternative zum Büro etablieren. Idealerweise können Arbeitsabläufe so individualisiert werden, dass jede und jeder dort arbeiten kann, wo die produktivste Arbeitsumgebung herrscht.

Höll: Welche konkreten Tipps haben Sie, um im Homeoffice auch in Zukunft produktiv und effizient zu arbeiten? Welche Rahmenbedingungen müssen erfüllt sein?

Bellermann: Zunächst sollte der Arbeitsplatz im Homeoffice klar definiert sein, um die unterbewusste Verbindung der häuslichen Umgebung mit Freizeit umzuwidmen. Dabei kann schon die entsprechende Kleidung Wunder wirken, noch besser funktioniert es mit eigenen Arbeitsbereichen und den entsprechenden Möbeln. Neben organisatorischen Aspekten wie Erreichbarkeit und Arbeitszeiten sollte vor allem im Homeoffice auf ausreichend Bewegung und entsprechende Aktivierung geachtet werden.

Höll: Im Homeoffice trifft Arbeit auf Privates. Wie lässt sich das trennen?

Bellermann: Es geht hier nicht zwingend um eine Trennung, sondern um die Anpassung von Gewohnheiten und Wahrnehmungen. Selbst der Küchentisch kann zeitweilig als Arbeitsort genutzt werden – für die richtige Einstellung reichen dazu schon kleine Symbole wie z.B. unser Fold-Up Workspace, der einem selbst und allen anderen Mitbewohner deutlich macht, dass man sich im Arbeitsmodus befindet.

Höll: Wie entwickelt man Spielregeln für mobiles Arbeiten?

Bellermann: Spielregeln helfen nicht nur bei einem gemeinsamen Verständnis bei mobiler Arbeit, sondern sind auch bei der Arbeit im Büro von entscheidender Bedeutung für eine produktive Zusammenarbeit. Gerade die verstärkte Nutzung von mobilem Arbeiten hat gezeigt, dass wir eindeutige und klare Rahmenbedingungen für gemeinsame Kommunikation und die ortsübergreifende Zusammenarbeit benötigen, damit sich alle im Team auf Augenhöhe befinden. Daher sollen Spielregeln auch gemeinsam erarbeitet und bei Bedarf im Team angepasst werden.

Höll: Zu Hause muss wohlmöglich mal ein Ess-, oder Balkontisch temporär für die Büroarbeit umgenutzt werden. Wie lässt sich das vereinfachen?

Bellermann: Niemand möchte einen klassischen Bürodrehstuhl auf seinen Balkon stellen – gerade bei temporär genutzten Bereichen im Homeoffice kommt es daher darauf an, dass Funktionalität und Design gut kombiniert werden. Dabei helfen Möbelserien, die nach dem Baukastenprinzip kombiniert werden können – so lassen sich z.B. Stühle einsetzen, die sowohl für die temporäre Nutzung als Arbeitsort, als auch für die dauerhafte Nutzung als Schalenstuhl am Esstisch genutzt werden können.

Höll: Für viele im Homeoffice Arbeitende spielt Raumgröße eine erhebliche Rolle. Wird das Platzproblem auch in zukünftigen Designs aufgenommen? Werden neue Produkte speziell für Homeoffice entwickelt?

Bellermann: Raumgröße spielt immer dann eine Rolle, wenn kein eigenes Arbeitszimmer zur Verfügung steht. Dann konkurrieren unterschiedliche Funktionen um dieselbe Fläche und es ist von entscheidender Bedeutung, wie gut die Funktionen kombiniert werden können. Das kann zum einen durch flexible und einfach zu handhabende Ergänzungsprodukte oder zum anderen mittels Möbel, die multifunktional einzusetzen sind, gelöst werden.

Höll: Wie kann man während des Arbeitens von zu Hause noch in Bewegung bleiben?

Bellermann: Neben der Anpassung der eigenen Gewohnheiten – z.B. die Verbindung der Mittagspause mit einem kurzen Spaziergang können mehrdimensional bewegliche Bürostühle dafür sorgen, dass Muskeln und Gelenke aktiviert und entsprechend versorgt werden. Gerade beim Arbeiten im Homeoffice sollten regelmäßig Pausen eingelegt werden, damit ein Wechsel von Be- und Entlastung gewährleistet wird.

Höll: Im Homeoffice schwindet das soziale Miteinander. Gibt es neue digitale Lösungen, die auch eine Gemeinschaft von zu Hause ermöglichen?

Bellermann: Natürlich spielen digitale Kommunikations- und Kollaborationslösungen wie z.B. Teams eine immer bedeutendere Rolle – noch wichtiger ist allerdings der bewusste Umgang mit den Arbeitsumgebungen und deren Stärken und Schwächen. Organisationen, die ausschließlich auf Homeoffice setzen, müssen einen deutlich höheren Aufwand betreiben, um sicherzustellen, dass alle Teammitglieder eingebunden sind. Unternehmen, die die Büros so gestalten, dass dort ein Umfeld geschaffen wird, das informelle Kommunikation, Teamgeist und innovative Zusammenarbeit unterstützt, haben es ungleich leichter.

 

Frederik Bellermann